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Freude und Stolz zur 20. Tanzwoche Eisenhüttenstadt
Wenn die Vorhänge der Bühne des Friedrich Wolf Theaters zum 20. Mal im März 2012
in Eisenhüttenstadt aufgehen, dann ist das ein Grund zur absoluten Freude.
Wer hätte zu Beginn voraussagen können, dass sich die Idee einer jährlich stattfindenden
TanzWoche so erfolgreich entwickeln wird!
Mit der Wende veränderten sich fast alle Lebensbereiche der Menschen. Das betraf auch ihre
Freizeitgestaltung. Es gab abrupte Veränderungen auch im kulturell-künstlerischen Stadtleben.
Die staatlich verordnete Sorglosigkeit, das Aufgefangensein
im Kollektiv, im Verwaltungsapparat, war von einem Tag auf den anderen weg.
Was blieb waren die zahlreichen Menschen in Vereinen, Gruppen die nicht sofort wussten, wie es weitergehen wird.
Ein Allheilrezept gab es nicht. Da wuchs eine Idee in den Köpfen engagierter Kräfte an der Basis und
im neu konzipierten Kulturzentrum mit neuem Leiter. Es sollten die Stärken der vorhandenen kulturell–künstlerischen
Arbeit der Bürger in der Stadt gestärkt und fortgeführt werden.
Kraft, Mut, Träume und Energie, um dies Wirklichkeit werden zu lassen, gab es ausreichend. Durch
verschiedene strategische Maßnahmen im Verwaltungsbereich und das hohe Engagement aller Beteiligten
konnten fundierte Ideen entwickelt und über die Jahre umgesetzt werden.
Am 14.02.92 war es dann durch die Unterschriften der damaligen Amtsleiterin und dem Leiter des Kulturzentrums
besiegelt. Es soll sich über die nächsten Jahre ein multikulturelles und übergreifendes
Kulturprojekt als zentraler Schwerpunkt im Kulturzentrum der Stadt Eisenhüttenstadt entwickeln.
Für die zahlreich vorhandenen Talente und bereitwilligen Kräfte des kulturell- künstlerischen
Lebens galt es eine neue Plattform zu schaffen. Es wurde eine internationale Tanz– und Theaterwoche für
1993 geplant.
Im Rahmen einer Woche sollen verschiedenste Tanzformationen, tänzerische Darbietungen in kleinen und
großen Auftritten präsentiert werden. Es wurden Einladungen an Tanzvereine, Theatergruppen der
Stadt, der Umgebung versendet und Tanzgruppen aus den osteuropäischen Ländern eingeladen sowie
aus der Partnerstadt Saarlouis. Alle Tanzgruppen der Stadt sollten Hauptveranstaltungsträger sein.
Erklärtes Ziel war es, eine Woche der internationalen Verständigung im friedlichen Neben– und Miteinander
aller Nationen, Rassen und Religionen durchzuführen. Es war die Zeit des Aufbruchs. Neue Ideen wurden offen
aufgenommen, eigene Gedanken hinzugefügt. Die Entwicklung der TanzWochen ließ absolut viel Spielraum
und Möglichkeiten in der Ideenfindung sowie in ihrer Umsetzung in allen Bereichen zu, auch finanziell.
Die erste TanzWoche verlief als Treffen von Tanzgruppen und Vereinen der Stadt und Region im Sinne einer
Bestandsaufnahme und Ideenschmiede. Das einwöchige Festival war äußerst erfolgreich, die
Grundidee war Wirklichkeit geworden. Die hohe Qualität der heimischen Amateurgruppen ließ die
Idee reifen, ein gemeinsames Tanzprojekt von den zwei Gruppen „Oderland – Reigen“ und „Fire
& Flame“ unter Anleitung einer professionellen Tänzerin, Choreografin für die nächste
Tanzwoche zu schaffen. Das methodische Herangehen, mit dem die solide Basis der heimischen Tänzer weiter
ausgebaut wurde, stellte sich als großer Zuwachs und Erfolg heraus.
An dieser Idee wurde Jahr für Jahr festgehalten. Im Vorfeld der dritten Auflage wurde entschieden, sich
inhaltlich ausschließlich auf den Tanz zu konzentrieren. Die TanzWoche wurde zur Chefsache. Die Stahlstadt
hatte sich zu einem nachgefragten Ort für Belange des Tanzes entwickelt. Die Struktur dieser TanzWoche
besteht ab diesem Zeitpunkt aus dem Eröffnungsprogramm, gestaltet von den besten Neueinstudierungen der
heimischen Tanzgruppen sowie einer geladenen Gastgruppe. Im zweiten Teil wird das mit einem Gastchoreographen
entstandene Projekt aufgeführt, bei dem die besten Tänzer aus den verschiedenen heimischen Tanzgruppen
mitmachen.
Bei den TanzWochen wurden in den Projekten immer mit nationalen und international bekannten Choreographen,
Fachleuten gearbeitet. Das bedeutete einen hohen Motivations- und Qualitätsschub. Die einheimischen
Gruppen entwickelten eine große Erwartungshaltung an die Rahmenbedingungen und das Projektmanagement.
Wichtig war auch die frühzeitige Erkenntnis und Entscheidung in der Verwaltung eine kontinuierliche
Gesamtleitung der TanzWoche zu sichern.
Über die vielen Jahren reihen sich Namen entscheidender Choreographen aneinander, die verschiedene Projekte
entwickelt haben und auch selbst mit einer eigenen Darbietung im Programm mitwirkten.
Ab 1997 wurde das Attribut „international“ gestrichen. Ziel war es von einer regionalen Basis
aus überregional wirksam zu werden, vielleicht national ins Gespräch zu kommen und eventuell
international wahrgenommen zu werden. Der Blick über die Bundesgrenze hinaus wurde immer getätigt
und international renommierte Einzelkünstler sowie Compagnies gebunden.
Mit der 5. TanzWoche war der Durchbruch gelungen. Die TanzWoche erhielt die Wertschätzung durch das
Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur, der Stellenwert in der eigenen Stadt wuchs bei
Bürgermeister und Stadtabgeordneten und Bürgern. Der Neujahrsspendenaufruf war ganz an die
TanzWoche gebunden.
Zunehmende Aufmerksamkeit kam auch von außerhalb. Es entwickelte sich ein enger Kontakt zum
Interessenverband Tanz des Landes Brandenburg, der fortan innerhalb der Tanzwoche an einem Tag das
Brandenburgische Tanzfest gestaltete. So wurde die TanzWoche auch dadurch zu einer begehrten Adresse der
brandenburgischen Tänzer.
Über die Jahre wuchsen die Zahl der Mitwirkenden, bestehend aus einheimischen Gruppen sowie Gastgruppen.
Ein Glanzlicht setzte der Auftritt von ehemaligen Eisenhüttenstädter Amateurtänzern, die nach
oder während ihrer Ausbildung an namhaften Ballettschulen mit eigenen Projekten in die Heimat
zurückkehrten.
Den Eisenhüttenstädter Tänzern war in den Wochen stets die Möglichkeit zu teil,
von leistungsstarken Tanzgruppen aus dem Land Brandenburg zu lernen. Das Erleben professioneller Tanztheater
aus dem In- und Ausland in der Heimatstadt hatte auch den Zweck, bei ihnen Zielvorstellungen zu vermitteln
und den eigenen Leistungsstand einschätzen zu lernen.
Die Förderung und erfolgreiche Entwicklung des Ausdruckstanzes in Eisenhüttenstadt führten
über die Jahre zu wachsendem Besucherinteresse. Die Eröffnungsveranstaltung mit dem Projekt wird
seit dem Jahr 1999 wiederholt, um allen Kartenwünschen gerecht zu werden. Auf Wunsch wird seit 2000 ein
weiteres Projekt mit einer professionellen Fachkraft für die etwas jüngeren Tänzer einstudiert
und zur Aufführung in der TanzWoche gebracht. Die Medienarbeit professionalisierte sich. Ein Plakat und
Programmheft mit künstlerisch gestaltetem Wiedererkennungseffekt / Logo kam bald hinzu.
Inzwischen laufen gezielte Anfragen zur Teilnahme an der TanzWoche, kommen Projektideen und zahlreiche
Programmvorschläge über das Jahr ein. In– und ausländische Choreographen bewerben sich.
Es besteht ein hoher Standard in der langfristigen inhaltlichen und organisatorisch–technischen Vorbereitung
der jährlichen TanzWoche. Die TanzWoche hat dem Image der Stadt sehr gut getan.
Wünschenswert ist es auch für die 20. TanzWoche geneigte Förderer zu haben, die das ungebrochene
Engagement der aktiven Tänzer und Künstler auf vielfältigste Art unterstützt.
Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass solch Projekt über zwei Jahrzehnte erfolgreich verläuft.
Tänzergenerationen haben gewechselt, sieht man auf die Anfangszeit zurück, doch beständig
und ungebrochen ist das Interesse und das Grundengagement der Beteiligten sowie der Organisatoren in der
Verwaltung der Stadt.
Wechselnde Personen, in deren Verantwortungsbereich die jährlichen TanzWoche lag, haben zu keiner
Stagnation geführt sondern immer wieder sind alle Beteiligten erschöpft aber überglücklich
aus der eben beendeten TanzWoche gegangen mit der Gewissheit, ihr Einsatz hat sich gelohnt und es wird Kraft
geschöpft, um neue innovative Ideen in der kommenden TanzWoche umzusetzen.
Die TanzWoche ist eines der wichtigsten Ereignisse des aktiven Kulturlebens in der Stahlstadt!
(Quelle: Siehe auch Stadtspiegel Eisenhüttenstadt; 2002; Artikel „10 Jahre Tanzwoche“ von H.Preuß)
Regina Richter (Projektleiterin der TanzWoche Eisenhüttenstadt)
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